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Ethik und Schamanismus – Überlegungen zur praktischen Heilarbeit

In diesem Artikel hoffe ich, einige der Probleme aufzuklären und grundlegende Richtlinien aufzustellen, die mit ethisch einwandfreiem schamanischen Heilen einhergehen. Wie bei den meisten Fragen rund um ethisches Verhalten, ist mein Beitrag nicht als starre Vorgabe gedacht, sondern eher als eine Art flexibler Standard, der im Einzelfall wohlüberlegt und einfühlsam zu prüfen ist. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Text ein guter Startpunkt für diejenigen sein wird, die mit ihrer schamanischen Praxis beginnen. Er soll aber auch erfahrenen Praktizierenden die Möglichkeit geben, ihr eigenes Verständnis zu vertiefen. (1)

Schamanisch Praktizierende gehören zu einer uralten Linie von spirituellen Heilerinnen und Heilern. Da schamanische Heilarbeit eine Form des spirituellen Heilens ist, kommt der Frage nach der Ethik ein ganz besonderer Stellenwert zu. Als Michael Harner in den 1970er Jahren begann, Seminare in Core-Schamanismus anzubieten, war schamanisches Heilen noch relativ unbekannt. Dank des Erfolges seiner Pionierarbeit praktizieren heute weltweit Tausende von Menschen schamanische Heilarbeit; zudem gibt es ein großes Interesse an praktischen Anleitungen für den Einsatz dieser kraftvollen Methodik.

Für diejenigen, die schamanisches Heilen von Angesicht zu Angesicht mit ihren Klienten und Klientinnen praktizieren, gelten ähnliche ethische Verpflichtungen wie für Therapeuten und Therapeutinnen, zum Beispiel was einen angemessenen Körperkontakt anbelangt. Auch die Vertraulichkeit ist strikt einzuhalten. Alle Informationen, die von Klientinnen und Klienten, aber auch den Geistern während der schamanischen Arbeit übermittelt werden, sind vertraulich zu behandeln.

Da sich schamanisches Heilen mit dem spirituellen Aspekt von Krankheiten befasst, muten die Parameter einer ethischen Praxis oft unangemessen vage und unpräzise an. Was ist bei spiritueller Heilarbeit erlaubt? Wie steht es mit „Fern“-Heilungen, die von Einzelpersonen, Gruppen und Trommelkreisen angeboten werden, bei denen die zu heilende Person, der Ort oder die Situation kilometerweit entfernt oder sogar auf einem anderen Kontinent liegen kann?

Wer sich schon länger mit schamanischer Heilarbeit oder Divination befasst hat, sei es als Praktizierende oder als Klient oder Klientin, weiß um ihre große Kraft. Wunderbare Heilungen können geschehen. Schwierige Fragen werden auf überraschende und nützliche Weise beantwortet; für scheinbar unlösbare Probleme tauchen plötzlich neue, elegante Lösungen auf. Diese Kraft verdient unseren Respekt und ernsthafte Beschäftigung damit, wo und wie sie einzusetzen ist.

Voraussetzung: Erlaubnis einholen

Um bei der schamanischen Heilarbeit die Kraft der helfenden Geister (d. h. der uneingeschränkt mitfühlenden Geister aus der Oberen Welt oder der Unteren Welt) bewusst und mitfühlend einzusetzen, gibt es eine wesentliche ethische Voraussetzung: das Einholen einer Erlaubnis. Nur so wirkt die Arbeit auch wirklich heilsam. Unter Erlaubnis verstehe ich die ausdrückliche, informierte Zustimmung des Klienten oder der Klientin dafür, dass eine bestimmte Person oder Gruppe eine schamanische Heilarbeit oder Divination durchführen darf. Das schließt auch die Zustimmung ein, Informationen über den Klienten oder die Klientin preiszugeben.

Heilarbeiten ohne Zustimmung sind unethisch und bewegen sich im Bereich der Zauberei. Sie sind deshalb unethisch, weil jeder Mensch das Recht und die Verantwortung hat, über die Angelegenheiten seiner eigenen Seele zu entscheiden. Jeder Mensch hat das Recht, seinen Weg ohne Einmischung oder ungebührliche Beeinflussung zu bestimmen. Es spielt keine Rolle, wie offensichtlich die Person Hilfe zu benötigen scheint oder wie sicher man sich ist, dass „sie die Erlaubnis erteilen würde“. Solange man nicht darum gebeten wurde, oder man nicht um Erlaubnis gebeten und diese erteilt bekommen hat, darf die Arbeit nicht durchgeführt werden. Es lohnt, sich die Zeit für eine Reise zu den mitfühlenden Geistern zu machen, um nach den Gründen hierfür zu fragen. So lässt sich selbst herausfinden, warum die Zustimmung des Betroffenen unerlässlich ist, damit schamanische Arbeit wirklich heilsam sein kann.

Viele Menschen, die sich zum Heilen hingezogen fühlen, hegen den tiefen Wunsch, anderen zu helfen. Es kann daher sehr verlockend sein, ohne Erlaubnis der betreffenden Person schnell die helfenden Geister um Heilung zu bitten, wenn man jemanden leiden sieht und weiß, dass dieser Person geholfen werden könnte.

Aber niemand von uns ist weise genug, um zu wissen, was die Seele eines anderen möchte oder braucht. Ich habe Praktizierende sagen hören, dass, wenn die Geister einer Heilarbeit zustimmen, es in Ordnung sei, diese auch ohne Erlaubnis auszuführen. Das ist nicht richtig: Erstens sollte man die Geister nicht ohne Erlaubnis bezüglich der Angelegenheiten anderer befragen, und zweitens mögen die Geister allwissend sein, aber wir Menschen sind allzu fehlbar, neigen zu Interpretationsfehlern oder das zu hören, was wir hören wollen. Informierte Zustimmung bedeutet, dass die Person, für die die Arbeit bestimmt ist, zumindest über die Tatsache Bescheid weiß, dass die praktizierende Person spirituelle Heilarbeit anbietet und mit mitfühlenden Geistern zusammenarbeitet. Wenn die Heilarbeit von Angesicht zu Angesicht stattfindet, sollte die Person wissen, dass es zu einem leichten Körperkontakt kommen kann. Man sollte sie fragen, ob es in Ordnung ist, sie wenn nötig während der Heilsitzung zu berühren.

Ausdrückliche Erlaubnis bedeutet, dass der Klient oder die Klientin um Heilung gebeten hat oder gefragt wurde und ihre Zustimmung gegeben hat. Wenn die Person am Leben und bei Bewusstsein ist, dann bedeutet dies ein klar kommuniziertes „Ja“ in der alltäglichen Wirklichkeit. Es bedeutet nicht, dass die schamanische Praktikzierenden sie im Traum, auf einer schamanischen Reise oder telepathisch gefragt haben; dass ein Krafttier oder Lehrer gefragt wurde oder dass ein Krafttier gebeten wurde, das Krafttier des Klienten oder der Klientin zu fragen, und so weiter.

Wenn eine Person im Koma liegt, sollte die Erlaubnis für schamanische Arbeit bei den nächsten Angehörigen eingeholt werden. Selbst dann sollte die Seele der betroffenen Person mittels schamanischer Reise kontaktiert werden, um zu fragen, welche Arbeit, wenn überhaupt, erwünscht ist.

Auch bei Verstorbenen ist eine Erlaubnis notwendig, um ein Seelengeleit oder andere schamanische Heilarbeiten für die Seele durchzuführen. Seelen sind Seelen, ob lebend oder tot. Wenn man reist, um einer verstorbenen Person zu helfen, sollte die Seele befragt werden, was, wenn überhaupt, getan werden soll.

Für schamanische Heilarbeit, die für Kinder unter etwa zwölf Jahren durchgeführt wird, sollten auf jeden Fall die Erlaubnis der Eltern, vorzugsweise beider Elternteile, vorliegen. Von Fall zu Fall, abhängig von der Reife des Kindes, kann auch die Erlaubnis des Kindes erforderlich sein. Wenn die Heilung im Beisein des Kindes durchgeführt wird, sollte man dem Kind die schamanische Heilarbeit altersgerecht erklären. Ein oder beide Elternteile sollten dabei anwesend sein. Bei den meisten Jugendlichen unter 18 Jahren ist, genau wie bei Erwachsenen, die ausdrückliche Erlaubnis des Jugendlichen sowie eines Elternteils für die schamanische Heilbehandlung erforderlich.

Während einer Heilsitzung werden Klientinnen bzw. Klienten manchmal Fragen stellen oder Bitten bezüglich einer anderen Person äußern. Auch dann darf man nur für den Klienten oder die Klientin selbst arbeiten; es besteht nicht automatisch die Erlaubnis, auch für den Ehepartner/in, Verwandte oder andere Personen, mit denen der Klient oder die Klientin in Verbindung steht, aktiv zu werden. Das bedeutet, dass es nicht erlaubt ist, nach Informationen über eine andere Person zu fragen oder diesen Heilung zukommen zu lassen.

Meistens haben die Klienten oder Klientinnen eine konkrete Bitte für die Heilung einer Verletzung, einer Krankheit, eines emotionalen Problems oder für Hilfe in Form von Divination in Bezug auf eine schwierige Situation in ihrem Leben. Zum Beispiel könnte eine Klientin bzw. ein Klient darum bitten, „sein gebrochenes Herz zu heilen“. In diesem Fall besteht die ausdrückliche Erlaubnis, an seinem „gebrochenen Herzen“ zu arbeiten und an allem, was unmittelbar mit diesem Thema zu tun hat. Es gibt aber nicht unbedingt die Erlaubnis, darüber hinauszugehen. Wenn man die mitfühlenden Geister um Hilfe bei einer Sache bittet, ist es jedoch nicht ungewöhnlich, dass dann ein anderes, scheinbar unzusammenhängendes Thema an die Oberfläche kommt. Einige schamanisch Praktizierende meinen, dass sich die Erlaubnis für ein bestimmtes Thema auf eine allgemeine Erlaubnis zum Heilen erstreckt. Andere beschränken sich darauf, nur das zu bearbeiten, worum sie gebeten wurden. Auch wenn die Erlaubnisfrage manchmal etwas flexibel gestaltbar ist und schamanisch Praktizierende in Absprache mit den Geistern entscheiden müssen, was in einem konkreten Fall zu tun ist, sollte man doch besser auf Nummer sicher gehen. Glücklicherweise kann man die Klientinnen und Klienten in den meisten Fällen einfach fragen, ob sie ein zusätzliches Thema behandeln wollen.

Da Klientinnen und Klienten mit dem Wunsch nach schamanischer Heilarbeit zu den Praktizierenden kommen, sollten sie auch genau das erhalten. Solange jemand nicht mehr als eine Heilungsdisziplin gemeistert hat, schwächt der Versuch, zwei oder mehr Methoden der Heilarbeit zu kombinieren, meiner Erfahrung nach die Wirksamkeit der Heilarbeit eher ab. Schamanische Heilverfahren verfügen über ihre eigene, einzigartige Kraft. Von erfahrenen Praktizierenden angewandt, reicht sie in der Regel aus, um die jeweilige Arbeit zu verrichten. Ich möchte auch davon abraten, Methoden der alltäglichen Wirklichkeit gleichzeitig während einer schamanischen Heilsitzung anzuwenden, auch wenn es wirklich gut gemeint ist. Man sollte dem Impuls widerstehen, Ratschläge, therapeutische Maßnahmen, medizinische Diagnosen, juristische Ratschläge, Beziehungstipps, Konfliktlösungen oder ähnliches anzubieten. Wenn man dennoch zur Einsicht gelangt, dass diese Verfahren dem Klienten oder der Klientin helfen könnten, kann man vorschlagen, dass zusätzliche Hilfe von einer ausgebildeten Fachkraft auf diesen Gebieten hilfreich sein könnte.

Ich werde manchmal zur Arbeit mit Tieren befragt. Dabei wende ich die gleichen Richtlinien an, die auch für Menschen gelten. Ich reise zur Seele des Tieres und bitte um Erlaubnis.

Schamanische Arbeit aus der Ferne

Schamanische Heilarbeit wirkt jenseits von Raum und Zeit. Daher ist es durchaus möglich, diese Methode auch aus der Ferne wirksam für Klientinnen und Klienten anzuwenden. In letzter Zeit häufen sich die Anfragen zu schamanischen Fernheilungen, oft kommuniziert über E-Mail oder in Trommelzirkeln. Dadurch haben die Menschen viel mehr Möglichkeiten, schamanische Heilarbeiten in Anspruch zu nehmen. Dies hat zu einigen beeindruckenden Heilungswundern geführt. Allerdings sollten wir die Frage nach der Erlaubnis hier noch kritischer betrachten – und es ist schwieriger, mit Gewissheit festzustellen, ob eine Erlaubnis wirklich erteilt wurde.

Die Menschen bitten um sehr viele verschiedene Arten der Fernheilung: um Gebete, das Senden von Licht, die Konzentration auf eine bestimmte Intention – zum Beispiel Weltfrieden – und viele andere. Obwohl diese Anliegen ihre eigenen Fragen bezüglich der Ethik aufwerfen, werde ich sie in diesem Artikel nicht weiter ansprechen, da sich der Text auf die ethische Praxis der schamanischen Heilarbeit und Divination beschränkt.

Wenn eine Bitte um schamanische Heilarbeit geäußert wird – sei es per E-Mail, Telefon, in einer Gruppe oder einem Trommelkreis – ist eine Erlaubnis immer noch unerlässlich. Die gleichen Regeln, die für die Arbeit von Angesicht zu Angesicht mit einem einzelnen Klienten gelten, gelten auch für die Fernheilung. Die Person, die um Heilung bittet, muss ihr informiertes, ausdrückliches Einverständnis für die Heilung gegeben haben; ebenso für die Weitergabe ihrer Informationen an eine Gruppe, die eine Heilarbeit durchführt.

Gerade bei der Arbeit in Trommelgruppen oder über Gruppen-E-Mails ist es wichtig, nur die Arbeit zu tun, um die gebeten wurde. Wenn also eine Person um Divination bittet, sollte nur Divinationsarbeit durchgeführt werden, die sich auf die gestellte Frage beschränkt. Wenn eine bestimmte Heilung erbeten wird, sollte man sich an die für diese Heilarbeit festgelegten Parameter halten. Wenn zum Beispiel um eine „erfolgreiche Kniegelenksoperation mit minimalen Schmerzen und schneller Genesung“ gebeten wird, sollten die Praktizierenden nicht auch noch um „Sorglosigkeit“, einen kompetenten Chirurgen oder ähnliches bitten. Respektieren Sie das Recht der Klientinnen und Klienten, selbst zu bestimmen, was sie brauchen.

Und schließlich: besonders wenn per E-Mail gearbeitet wird, sollten etwaige Informationen für die Klientinnen und Klienten diesen privat mitgeteilt werden: also in der Regel der Person, die die Anfrage gestellt hat, und nicht als Antwort an eine ganze Gruppe. Auch bei der Verwendung von E-Mails ist die Wahrung der Privatsphäre der Klientinnen und Klienten eine wichtige Voraussetzung.

Naturkatastrophen oder von Menschen verursachte Katastrophen

Was ist mit Hilfegesuchen bei Naturkatastrophen oder von Menschen verursachten Katastrophen? Die Sachlage bezüglich einer Erlaubnis kann in diesen Fällen besonders verwirrend sein, vor allem, wenn man es mit einem anderen Land und einer anderen Kultur zu tun hat, deren Sitten und Gepflogenheiten nicht vertraut sind. Eine Erlaubnis ist auch in diesen Fällen unerlässlich, aber von wem oder von was? Wenn Sie helfen wollen, ist es notwendig, zunächst eine schamanische Reise zu dem Ort in der Mittleren Welt zu unternehmen, an dem sich der Vorfall ereignet hat. Dort fragen Sie die Geister des Ortes und alle Seelen, mit denen ein Kontakt entsteht, ob sie Hilfe wünschen. Fragen Sie immer erst nach, bevor Sie handeln. Wenn eine Erlaubnis zum Helfen erteilt wird, dann kann man im Rahmen der erteilten Erlaubnis mit der Unterstützung der helfenden Geister eine schamanische Heilarbeit durchführen.

Gelegentlich habe ich von Anfragen Kenntnis erhalten, schamanisch zu arbeiten, um ein bestimmtes Ergebnis in der Außenwelt zu beeinflussen, zum Beispiel um eine bestimmte Kandidatin bzw. einen bestimmten Kandidaten in ein öffentliches Amt zu wählen, „das Herz“ einer einflussreichen Persönlichkeit „zu öffnen“ oder sogar einen Krieg zu beenden. In diesen Fällen besteht keine Erlaubnis für schamanische Arbeit, da sie den Rahmen ethischer schamanischer Praxis sprengen und, wenn auch gut gemeint, an Zauberei grenzen.

Selbst die Arbeit mit dem Wetter unterliegt ethischen Gesichtspunkten. Wenn jemand beispielsweise daran arbeitet, „eine Dürre zu beenden“ oder Regen zu machen, kann diese Arbeit die umliegenden Gebiete auf unbeabsichtigte Weise beeinflussen. Die Erde ist ein Ganzes, ein lebendiger Organismus. Alles, was wir tun, hat Konsequenzen. Alles, was wir tun, beeinflusst alles andere, zum Guten oder zum Schlechten.

Heilung ist ein tiefgreifendes und vielschichtiges Unterfangen. Oft ist es schwer zu definieren, was das Richtige ist – umso mehr, wenn die Not groß ist, wir uns sorgen und wirklich helfen wollen.

Wenn irgendein Zweifel daran besteht, dass eine schamanische Heilbehandlung angemessen ist, sollte man die jeweiligen Adressaten/innen einfach fragen, egal ob es sich um eine Person, ein Tier oder einen Ort handelt. Wenn Sie keine klare Erlaubnis erhalten, sollten Sie nicht weitermachen, solange Sie diese nicht bekommen. Wenn Sie eine Erlaubnis erhalten, dann arbeiten Sie eng mit Ihren helfenden Geistern zusammen, bewegen Sie sich innerhalb der Vorgaben des Anliegens und führen Sie die Arbeit aus.

Szenarien schamanischer Heilarbeit

Es folgen einige beispielhafte Szenarien mit ethischen Problemen, die bei der schamanischen Heilarbeit auftreten können. Einige stammen aus meiner eigenen Praxis, andere wurden mir von Klienten/innen oder Kollegen/innen zugetragen. Jedes dieser Szenarien wirft die Problematik der Einwilligung auf und sollte unter dem Gesichtspunkt ethischer Verantwortung der schamanisch Praktizierenden reflektiert werden.

  • Ein Klient bittet um eine schamanische Divination, um festzustellen, wann ein schwerkranker Verwandter sterben wird.
  • Eine Übungsleiterin beschließt, am Ende eines Kurses eine „Heilmeditation“ anzubieten. Sie weist die Teilnehmenden an, Paare zu bilden. Dann bietet sie eine Art geführte Visualisierung an. Sie bittet die Paare, sich gegenseitig Heilung zukommen zu lassen, dann den Familienmitgliedern des anderen, dann der Welt. Eine schamanisch Praktizierende nimmt an dem Kurs teil.
  • Eine Klientin behauptet, sie sei sexuell belästigt worden und bittet um schamanische Hilfe, damit umzugehen. Nach der Sitzung telefoniert die Praktizierende mit jemandem, der den fraglichen Mann kennt, um herauszufinden, ob die Behauptung wahr sein könnte und was sie ihrer Klientin als Gegenmaßnahme raten sollte. (Beachten Sie: Würde es einen Unterschied machen, wenn die Praktizierende die Erlaubnis ihrer Klientin hätte, die andere Person zu fragen?)
  • In einer Reise begegnet ein schamanisch Praktizierender der Seele eines verstorbenen Verwandten. Die Seele des Verstorbenen bittet den Praktizierenden, eine schamanische Heilung für eine lebende Person durchzuführen.
  • Eine schamanisch Praktizierende reist, nachdem sie sich mit ihren helfenden Geistern beraten hat, an den Schauplatz einer Naturkatastrophe im Ausland. Sie beginnt sofort, Psychopompos-Arbeit zu leisten. (Beachten Sie: Was wäre, wenn ein anderer schamanisch Praktizierender ihr erzählt, dass er die Erlaubnis erhalten habe, diese Arbeit durchzuführen? Sei es von den Geistern am Ort des Geschehens oder von seinen eigenen helfenden Geistern.)
  • Ein Klient bittet um Hilfe bei der Lösung eines Konflikts, den er mit einem Nachbarn hat. Ohne es zu beabsichtigen, erhält die schamanisch Praktizierende während der Sitzung persönliche Informationen über den Nachbarn, die zu erfahren für den Klienten wichtig sein könnten. Sie teilt diese Informationen dem Klienten mit.
  • Eine Klientin bittet um schamanische Hilfe bei einem Streit, den sie mit einer Geschäftskollegin hat. Der schamanisch Praktizierende sagt ihr, sie solle in Erwägung ziehen, eine Klage gegen die Kollegin einzureichen.
  • Eine Person bittet um ein Seelengeleit für einen nahen Verwandten. Die anderen Verwandten der verstorbenen Person sind strikt dagegen.

 

Anmerkungen

(1) Ich möchte mich bei meinen Lehrern und Lehrerinnen - Michael Harner, Sandra Harner und Alicia Gates - für ihre Weisheit und Anleitung in der ethischen Praxis des schamanischen Heilens und Divinierens bedanken.

 

Dr. in Susan Mokelke ist Präsidentin der Foundation for Shamanic Studies und Direktorin der FSS U.S. Fakultät. Derzeit unterrichtet sie die fortgeschrittenen Seminare der FSS und das Dreijahresprogramm.

© Artikel ursprünglich erschienen in der Zeitschrift Shamanism, Ausgabe 21, Dezember 2008; Übersetzung: Alexander Jatscha-Zelt.